Freitags-Kreativ Flammenzauberei

Viele assoziieren den Begriff "Glasperle" oft nur mit Murmeln - das trifft die Sache in etwa so, wie wenn man sagen würde, russischer Kaviar sei ein Nahrungsmittel, Champagner ein Getränk und eine Stradivari ein Instrument zum Musikmachen.

Die jahrhundertealte Kunst des Glasperlendrehens ist jedoch viel mehr - Faszination pur, glasgewordener Traum ... und vor allem - wahre Kunst!

„Man findet Farbe, fängt sie in kleine Kugeln oder andere Formen, beginnt kleine Welten zu  zaubern, Galaxien, die die Menschen mitnehmen können und ihr Leben in Farbe und Energie tauchen können."

Glas ist eine Mischung aus Quarzsand, Pottasche und Kaliumkarbonat, die mit Kalk erhitzt wird.

Vor der Erfindung des Glases gab es nur natürliche Glasvorkommen in Form von Obsidian, den man in der Nähe von Vulkanen und Meteoriteneinschlägen fand. Es handelt sich um ein magmatisches Gestein, das sich durch rasches Abkühlen vulkanischer Lava bildet.

 Um 3500 v Chr. wurde in Ägypten und Mesopotamien das erste Glas erzeugt. Parallel dazu gab es auch in Europa eine Entwicklung des Glashandwerkes. Im Konzil von Reims (803) und Konzil von Trient (895) verboten die Päpste Leo III und Leo IV das Glas und seine Verwendung in Gottesdiensten. Glasbläserei wurde als heidnischer Akt und Glas als Teufelszeug verrufen.

 Im sogenannten „Mittelalter“ bekam das Glas wieder einen neuen Stellenwert. Die Gotischen Kathedralen aus dem 11.-13. Jh. wurden mit bunt bemalten Glasscheiben ausgestattet, und die Edikte und Konzile aus dem 9. Jh. werden überarbeitet. Die Kirche trat wieder als Auftraggeber in Erscheinung.

Mit der Erfindung des Rosenkranzes um 1250 stieg der Bedarf an Perlen und insbesondere Glasperlen ganz enorm an.

Es gab städtische Gilden der Glasperlenmacher. Die Produktion in Wanderglashütten lebte auf, bevorzugt in waldreichen Gebieten wie Thüringen, Spessart, Schwarzwald, Bayrischer Wald, Fichtelgebirge, Böhmerwald, Erzgebirge und Riesengebirge. Im Wald fanden die Glasmacher Heizmaterial, Sand und aus Buchen und Eichen wurde Pottasche hergestellt.

Die Venezianer der Renaissance verschifften ihre Glasbläser auf die Insel Murano und untersagten ihnen bei Todesstrafe, Geheimnisse preis zu geben oder abzuwandern.

Mit Perlen beten, Halsketten, Arm- und Fußbänder - meist in mehreren Lagen übereinander. Perlen im Haar, um die Taille gewickelt, kunstvoll auf die Kleidung gestickt.

Die Bezeichnung Bead leitet sich vom altenglischen Wort »bede« ab, Gebet.

Bei der Herstellung von Glasstäben unterscheidet man zwischen manuellem und maschinellem Ziehen!

Manuell wird es in Lauscha gemacht, auf Murano werden die Sonderfarben handgezogen. Dabei wird das flüssige Glas mit eine Glasmacherpfeife aufgenommen (sogenannter Glasposten), dieser wird immer wieder mit Glas überstochen ("überzogen"). Der Glasposten wiegt am Schluss ca. 5 kg, dann wird von einer zweiten Person ein Hefteisen angesetzt, diese Person geht dann mit dem Eisen die Halle entlang, so entsteht ein ca. 90m langer Stab, der dann in 1m Stücke geschnitten wird.

Beim maschinellen Ziehen läuft das flüssige Glas aus der kontinuierlichen Wanne in einen geschlossenen Raum, aus diesem Raum ragt ein Düsenkopf hervor, über diesen Düsenkopf wird das Glas senkrecht rotierend hochgezogen. Über der Glasausheberstelle sind Kühler angebracht, welche die Stäbe formstabil machen. Dieser Endlosstab durchläuft noch eine Kühlzone und wird dann in Stücke geschnitten.

Bis 650°C ist das Glas noch recht fest.

Um die 800°C ist es schön zähflüssig und irgendwo

bei 1200°C läuft es wie Olivenöl.

Alles nur Schätzwerte, die je nach Rezeptur größeren Schwankungen unterliegen können.

Gefärbt wird Glas mit Metalloxiden

Kupfer = Blau - Grün - Rot

Mangan = Violett  - Braun - Schwarz

Cadmium = Rot - Orange - Gelb

Chrom = Grün

Eisen = Rot - Schwarz (ein paar Beispiele)

Heutzutage werden die Roh-Glasstangen mit einem Eingas- oder einem Zweigasbrenner geschmolzen und um einen Dorn gewickelt, der mit einem Trennmittel benetzt wurde.

Diesen Dorn kann man dann nach dem Erkalten der Perle entfernen und somit hat die Perle gleich ein Loch.

Es gibt die verschiedensten Techniken mit und ohne Dorn und die unterschiedlichsten Glasarten.

Zum Herunterkühlen des Glases wird ein Mineralsand (Vermiculit) verwendet oder ein Temperofen.

Glas sollte so langsam wie möglich gekühlt werden, um Spannungssprünge zu vermeiden.

 Ich arbeite an einem Phönix-Zweigasbrenner mit einem Sauerstoffkonzentrator Mediline 5 und einem Paragon Temperofen.

Meist verwende ich Glasstäbe von Murano oder aus Lauscha.